23. Oktober 2017

Handschrift in OneNote und Evernote

Freihandeingaben und Handschrifterkennung in OneNote – das ist viel Licht und auch viel Schatten. Wo es in OneNote hakt, da ist Konkurrent Evernote besser und umgekehrt. Eine Übersicht, was im jeweiligen Notizprogramm geht und was nicht.

Bekanntermaßen ist die Erkennungsleistung der Handschrift-zu-Text-Konvertierung in OneNote beeindruckend. Selbst die ärgste „Sauklaue“ lässt sich häufig noch ohne oder mit erstaunlich wenig Fehlern in Text umwandeln oder treffsicher nach Stichworten durchsuchen. Es gibt dennoch ein ganz großes „Aber“:
Nur das, was per Zeichnen – Menü direkt in die Notiz geschrieben wurde, akzeptiert OneNote überhaupt als Handschrift.

Handschrift in OneNote
OneNote: Sieht gut aus, ist mit zwei Mausklicks gescannt. Leider bleibt die Handschrift-Notiz in OneNote einfach nur ein Bild – Textumwandlung oder Suchfunktion Fehlanzeige!

Die dabei entstehenden Linienzüge werden in einem speziellen Format gespeichert. Es braucht also zwingend einen Windows 7/8/RT-Tablet-PC, idealerweise mit Stift oder zumindest einen Touchscreen oder ein Grafiktablett.

Die Mobil-Versionen von OneNote für iPad/iPhone und Android-Geräte erlauben (bislang) überhaupt keine direkte Handschrifteingabe, nur mit Umwegen. Mehr zum Thema „iOS und Stifteingabe“ finden Sie in diesem Beitrag.

Viel interessanter wäre es, Notizen, die man sich zum Beispiel in einer Konferenz oder Vorlesung auf Papier gemacht hat, einzuscannen und von der Handschrifterkennung behandeln zu lassen. Zumal die Scannersteuerung direkt aus OneNote heraus (Einfügen – Gescanntes Bild) extrem komfortabel ist. Aber genau das funktioniert nicht. OneNote kann zwar dank OCR-Engine Text aus gescannten (oder sonstigen) Grafiken herauslesen, aber nur Gedrucktes – keine Handschrift! Ein gescannter Notizzettel ist einfach nur ein Bild. Die Suche nach enthaltenem Text bleibt ergebnislos – das Umwandeln funktioniert schon gar nicht.

Evernote: Genau umgekehrt

Konkurrent Evernote scheint es richtig zu machen. Ein handbeschriebener Notizzettel als Grafik wird – für Nutzer eines kostenlosen Evernote-Accounts unter Umständen erst nach ordentlicher Wartezeit, manchmal sogar von mehreren Stunden – in durchsuchbaren Text umgewandelt und indiziert. Die Stichwortsuche klappt also auch in solchen Grafiken.

Anders Evernote: Eingescannte Notizzettel lassen sich durchsuchen, die Erkennungsleistung ist aber mäßig – meist werden nur Wortfragmente identifiziert. Das direkte Kritzeln in den Evernote-Editor geht gar nicht.

Dafür muss der Evernote-Nutzer andere Kröten schlucken: Zum einen reicht die Erkennungsleistung bei weitem nicht an die von OneNote heran. Tatsächlich muss man schon halbwegs saubere und deutlich voneinander getrennte Druckbuchstaben schreiben, sollen nachher nicht nur Wortfragmente indiziert und gefunden werden.
Zum anderen unterstützt Evernote zwar auch das direkte Zeichnen oder Schreiben per Stift, Touchscreen oder Grafiktablett in eine Notiz. Dazu muss man das Tastenkürzel STRG+SHIFT+I kennen, oder die Symbolleiste um den entsprechenden Befehl erweitern. Alternativ kann man auch das aber immerhin kostenlose Tool „Skitch“ verwenden. Beide Methoden erzeugen aber nur in sich abgeschlossene Notizen. Eine mit dem Evernote-Editor oder Skitch erstellte Notiz lässt sich nicht zum Beispiel mit Text- oder Bildelementen ergänzen. Ein bisschen komfortabler aber mit ähnlichen Einschränkungen ist die Skitch-Alternative „Penultimate“ für iPad-Nutzer – eine Android- oder Windows-Entsprechung gibt es allerdings nicht.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die genannten massiven Einschränkungen bei Evernote dürften systembedingt sein; eine Erweiterung des Programms um direkte Handschrifteingabe scheint angesichts der Akquise von Skitch und Penultimate mehr als unwahrscheinlich. OneNote-Nutzern bleibt wenigstens ein bisschen Hoffnung. Vielleicht bringt eine künftige Version ja doch die Möglichkeit, auch gescannte oder fotografierte Handschrift-Notizzettel zu indizieren und wenigstens durchsuchbar zu machen.

3 Kommentare

  1. OneNote 2010 und ein WACOM-Tablet „funktionieren“ zwar zusammen, aber mir ist ein Rätsel, wie man damit eine leserliche Schrift hinbekommen soll bei dem Gepixel.

  2. Mich würde interessieren, ob es eine Methode gibt, die handschriftlichen Notizen aus OneNote2013 in ein durchsuchbares PDF zu exportieren. Damit wäre man langfristig unabhängiger von einem Microsoft-Programm…

    • Wenn Sie meinen, die indexierten (also aus Handschrift-Notizen „übersetzten“) Texte durchsuchbar im PDF zu haben: Nein, das geht wohl nicht. Vielleicht eine Anregung fürs Uservoice-Forum, aber schon ein recht spezieller Wunsch, denke ich.

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