24. Februar 2017

Microsoft empfiehlt Evernote

Was ist denn da los? Stolz verkündet Microsoft, die mobilen Outlook-Apps mit Wunderlist, Facebook und Evernote zu verbinden. OneNote? Fehlanzeige. Dafür ein Loblied auf Evernote.

Ein Fauxpax? Ein Kommunikationsfehler? Schlichte Gedankenlosigkeit? Oder ein Abteilungskrieg der Marke „Besitzstandswahrung“? Auf alle Fälle wirkt es wenig geschickt, in einer eigenen offiziellen Ankündigung den OneNote-Erzkonkurrenten Evernote derart zu loben:

“Evernote gets you effortlessly organized with notes, to-dos and more. Whether preparing notes for a big meeting or tracking your grocery list, having those notes available on your calendar when you need them makes your whole day easier. Set a reminder on a note and it will appear on your calendar, complete with a link to the note. Outlook not only shows you what’s important in your day, it gives you immediate access to the information you’ve placed in Evernote, so you’re always prepared….”

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Be happy: Unverhohlene Liebeserklärung an Evernote.

Ich denke, dem Windows-Office-Team würde so etwas nicht einfallen, gibt es doch eine halbwegs nützliche Verbindung zwischen der Aufgabenplanung von Outlook (2010-2016) und OneNote. Zugegebenermaßen fehlt in OneNote allerdings eine Reminder-Funktion, die von sich aus an fällige Termine oder Aufgaben erinnert. Evernote hat so etwas schon lange.

Aber anstatt OneNote entsprechend sinnvoll zu erweitern, eine Anbindung der Outlook-Apps an Evernote zu realisieren (Wunderlist war ja zu erwarten), finde ich schon einigermaßen bizarr. Und symptomatisch für die –zumindest aus Anwendersicht – zunehmend befremdlich wirkenden produktpolitischen Entscheidungen rund um OneNote und Office.

 

Outlook Mobile (iOS udn Android) erinnert an terminierte Notizen in Evernote und Wunderlist. OneNote bleibt außen vor.
Outlook Mobile (iOS und Android) erinnert an terminierte Notizen in Evernote und Wunderlist. OneNote bleibt außen vor.

Was die neue Liebesbeziehung zwischen den Outlook-Apps (eigentlich das zugekaufte Acompli) und Evernote/Wunderlist/Facebook anbelangt: Ich denke, zumindest im professionellen und geschäftlichen Umfeld könnten die neuen Features weniger relevant sein. Das liegt an der Outlook-App für Android und iOS selbst: Bekanntermaßen ist sie gegenüber den Microsoft-Servern viel zu geschwätzig und leitet sogar komplette Mailinhalte über einen Drittserver – auch wenn der Nachrichtenverkehr über einen firmeneigenen Exchange-Server abgewickelt wird. Quellen hierzu:

Computerwoche, Heise

Das scheint sich auch nach Überarbeitung der Login-Mechanismen (OAuth, 2-Factor) nicht grundlegend geändert zu haben.

 

 

Ein Kommentar

  1. Oliver Osranek

    Guten Tag,
    ich gebe Ihnen hier vollkommen Recht. Aus Anwendersicht sind einige produktpolitische Entscheidungen in keiner Weise nachvollziehbar.
    Und das sie es hier ansprechen mit Wunderlist geh ich darauf ein. Die Aufgabenverwaltung in Outlook (Desktop) existiert noch, jedoch auf keiner mobilen Version mehr. Dafür soll dann Wunderlist integriert werden. Vollkommen irrsinnig. Wenn ich dann dazu noch das stiefmütterliche Behandeln von OneNote sehe bekomme ich langsam das Gefühl, dass MS bald in mehrere Unternehmen zerschlagen wird und es dann obendrüber eine Holding gibt (siehe google, respektive Alpha).
    Dabei könnte die tiefere Implementierung von OneNote in die anderen Office Produkte ein ganz klarer Vorteil für MS sein.
    Aber warten wir es mal ab….

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