Der langsame Tod von OneNote 2016

Sind die Tage des Windows-Desktop-OneNote gezählt? Vieles spricht dafür, auch wenn Microsoft dazu schweigt.

Der folgende Beitrag beruft sich nicht auf offizielle Informationen von Microsoft, sondern auf Indizien, Beobachtungen und persönlichen Schlussfolgerungen. Meine These lautet:

Die Tage von OneNote 2016 (und seiner Windows-Vorgänger 2003-2013) sind gezählt.

Microsoft plant meiner Überzeugung nach, den „Oldie“ komplett durch die Tablet-optimierte, mit Windows 10 automatisch installierte OneNote-App (auch „OneNote UWP“ für „Universal Windows Platform“ genannt) zu ersetzen.

Eine offizielle Ankündigung gibt es hierzu nicht (mir ist auch keine inoffizielle bekannt). Aber eine ganze Menge an Hinweisen, die meiner Ansicht nach keinen anderen Schluss zulassen. Hier die wichtigsten:

Keine neuen Funktionen seit Jahren
Schon seit OneNote 2010 sind im Desktop-OneNote keine nennenswerten Funktionen hinzugekommen, von dem halbherzig implementierten Import von Excel- oder Visio-Dateien in OneNote 2013 mal abgesehen. In OneNote 2016 kam dann sogar überhaupt nichts neues mehr – im Gegenteil, es wurde sogar eine Funktion (Scannen in OneNote) gestrichen.
Es gibt zwar im Rahmen der Office-Updates auch immer mal einen OneNote-Patch, aber normalerweise keine Infos dazu. Bugfixes, sonst nichts. Einzige Ausnahme: Die Unterstützung von Online-„Live Content“ wie z.B. YouTube-Videos.

Produktpflege nur bei der Windows 10 App
Gleichzeitig erscheint nahezu monatlich ein Update für die Windows-10-App mit neuen Funktionen. Viele der Neuerungen replizieren Features der Desktop-OneNotes, um – so Microsoft – „Feature Parity“, also Funktionsgleichheit herzustellen. Abgesehen davon, dass es vollständige Gleichheit garantiert nie geben wird (lokales Speichern zum Beispiel ist gemäß Microsofts aktueller Strategie einfach „out of discussion“); das riecht doch sehr danach, mit diesem Argument mehr und mehr OneNote-2016-Nutzer zum Umstieg auf die „modernere“ App zu bewegen. Also eine Ablöse, keine zusätzliche Alternative.

Steigende Inkompatibilität
Die Zahl der gravierenden Inkompatibilitäten der unterschiedlichen OneNote-Apps – auch der in Windows 10 – zur Desktop-Version steigt. Beispiele: Audioformate bei der Aufzeichnung auf dem iPad, die sich nicht mehr inline in OneNote 2016 abspielen lassen. Unter iOS wird MP4 als Audioformat verwendet; OneNote 2016 hingegen setzt immer noch auf das veraltete WMA; das wäre leicht zu ändern. Oder ein völlig anderes Handschriften-/Ink-Format (Ink-To-Text klappt im Desktop-OneNote mit darin erfassten Handschriftnotizen, nicht aber mit solchen, die in der App vorgenommen wurden). Ein klares Zeichen dafür, dass Kompatibilität mit dem „alten“ OneNote nicht mehr wichtig (weil dieses bald obsolet?) ist.

Vage Aussagen vom OneNote-Produktmanagement
William Devereux, Microsoft-Produktmanager für OneNote-Apps, antwortete in einer Reddit-AMA (Ask me Anything; eine Q&A-Veranstaltung mit einem Verantwortlichen) auf die Frage, ob das Desktop-OneNote eingestellt wird, folgendes:
„…that OneNote 2016 has been a great app that we’ve been developing for over 13 years. As the app continued to grow we started to identify areas that our customers and business mutually benefitted from. As we pivot to a more modern code base, we’re prioritizing Windows 10’s capabilities to let us ship faster, build things more easily, and create deeper integrations into the operating system…“. Bezeichnend finde ich das “has been a great app”, also, OneNote 2016 war eine großartige App. Im weiteren Verlauf dieser Diskussion hatte er – daran meine ich mich zu erinnern – dann auch bestätigt, dass es für OneNote 2016 nur noch Sicherheits-Updates und Bugfixes geben werde, aber keine funktionellen Erweiterungen mehr. Diese Bemerkung kann ich nun leider in der Diskussion nicht mehr finden, wohl aber einige gelöschte Beiträge. Möglicherweise täusche ich mich aber auch, und ich habe diese Antwort an anderer Stelle gelesen.

Update 7.4.: Ein weiteres Indiz liefert ein Microsoft-Mitarbeiter im Answers-Forum, wo er sich auf Fragen zur Feature-Ungleichheit zwischen der UWP-App und OneNote 2016 bezieht:

„…before we formally migrate…“, also „bevor wir formell migrieren“. „Migrieren“ bedeutet im Software-Kontext für gewöhnlich, eine alte oder andere Programmversion durch eine neue zu ersetzen. Verschwindet OneNote 2016 also aus dem Office-Lieferumfang? Siehe auch letzter Abschnitt in diesem Beitrag „Wie bringt man OneNote um?“.

Keine Fixes bei bestimmten Funktionsmodulen
Viele funktionelle Bereiche von OneNote 2003-2016 blieben in den vergangenen Jahren völlig unangetastet, obwohl teilweise buggy oder halbfertig, Stichwort Audio-Suche. Manche davon werden in der Win-10-App nun völlig neu implementiert. Als Grund vermute ich unter anderem, dass das entsprechende Know-how im Entwicklerteam gar nicht mehr vorhanden ist; etliche der ursprünglichen Programmierer sind nicht mehr dabei. Rausnehmen kann man die entsprechenden Teile aus OneNote 2016 aber auch nicht mehr (naja, vielleicht doch, siehe Scanner-Import). Stattdessen ist es wohl einfacher, von Grund auf neu zu programmieren – eben gleich in der neuen App. Hinzu kommt aber sicher auch, dass einiges in OneNote 2016 auf das Betriebssystem aufsetzt (etwa Suche und Indexierung, Handschrifterkennung) und sich in dieser Form nicht einfach auf andere Systeme (iOS, MacOS, Android…) portieren lässt.

Business-Ausrichtung gerät in den Hintergrund
Es scheint bei OneNote einen ernsthaften Zielgruppenwechsel zu geben: Von OneNote-„Vater“ Chris Pratley ursprünglich als eine Art persönlicher Assistent erdacht, wurde das Programm irgendwann an die MS Office Suite angehängt und um ein paar passende Features ergänzt (Austausch mit Outlook, Import von Excel- und Visio-Dateien…). Zusammen mit der Möglichkeit, Notizbücher über LAN-Freigaben und SharePoint im Team zu nutzen, wurde mehr oder weniger ein Office-Produktivitätstool daraus. Das wenige Marketing, das sich Microsoft zu OneNote leistete, ging auch in diese Richtung.
Seit einigen Monaten aber macht sich Microsoft sehr im Education-Sektor stark und fokussiert dabei auf OneNote. Am besten ist das zu sehen an den wenigen wirklich neuen Features, die die Windows-10-App bekommen hat, etwa Mathematik-Funktionen oder Stifte mit Glittereffekt. Alles übrigens nur für Office-365-Abonnenten, was für Schulen und Universitäten offenbar in hohem Maße zutrifft (EDU-Tenants). Dass das OneNote Class Notebook Add-In für Lehrer und Schüler vor allem auf das Desktop-OneNote setzt, dürfte in erster Linie daran liegen, dass nur dieses bislang über eine passendes Add-In-Unterstützung verfügt. Ich bin sicher, da wird sich noch etwas ändern. Von einer Integration von Outlook, Task-Managern oder Excel ist hingegen bei der Windows-10-App nichts zu sehen, nicht einmal angekündigt. Die einzigen Hinweise für den OneNote-Einsatz im geschäftlichen Bereich finden sich in den Web-gestützten Office-365-Services wie dem neuen Planner oder O365-Groups. Die brauchen kein Desktop-OneNote; die Browser-Version oder auch die UWP-App reichen.

Wie bringt man OneNote um?

Wie gesagt, alles in dieser Aufzählung sehe ich lediglich als starke Indizien für ein absehbares Ende von OneNote 2016. WENN ich damit recht haben sollte, bleibt noch die Frage, WIE Microsoft gedenkt, das Desktop-OneNote umzubringen. Ich sehe zwei Möglichkeiten.

Schneller, brutaler Mord
Es wäre natürlich denkbar, dass zunächst das frei downloadbare, nur leicht abgespeckte OneNote 2016 von der Webseite verschwindet; gut versteckt hat Microsoft es ja schon. Danach würde dann das „große“ OneNote 2016 aus dem Installationsumfang von Office 365 und aus den separat erhältlichen Office-Paketen verschwinden – einfach so.

Zumindest letzteres halte ich aber für ziemlich unwahrscheinlich. Es gibt sicher eine große Zahl von Unternehmen, die stark auf OneNote und Notizbücher setzen, die auf einem eigenen File- oder Sharepoint-Server liegen; neu ausgestattete Office-Arbeitsplätze würden dann plötzlich außen vor bleiben. Konsequenterweise müssten sogar kommende Office-Updates bestehende OneNote-Installationen von der Platte löschen, um Versions-Konformität herzustellen. Das wäre mit Sicherheit viel zu drastisch, als das Microsoft sich das leisten könnte oder wollte.

Langsamer Tod durch Pflegeverweigerung
Für deutlich wahrscheinlicher halte ich ein schlichtes Beendigen des Supports. Genau genommen hat Microsoft damit ja schon angefangen: Es gibt keine funktionellen Updates mehr, sondern nur noch Sicherheits- und Stabilitäts-Patches. Ähnlich wie bei veralteten Windows-Versionen würden dann auch die irgendwann wegfallen. Gleichzeitig fließen in die verbleibenden OneNote-Versionen (also Win-10-App, iOS, Webversion…) Updates ein, die auch Formatänderungen mit sich bringen. Passiert ja auch jetzt schon (Audio- und Handschriftformate). Ich kann mir sogar vorstellen, dass das zugrundeliegende Dateiformat (Seiten binär in .ONE-Files für Abschnitte, Notizbücher als Dateiordner) früher oder später eine Überholung oder sogar keinen kompletten Wechsel braucht. Schließlich gibt es von Anwenderseite Forderungen, die mit dem aktuellen Format offenbar nicht umsetzbar sind – etwa das Teilen von einzelnen Seiten oder Passwortschutz für komplette Notizbücher. OneNote 2016 würde also zunehmend inkompatibler und die Nutzer würden früher oder später freiwillig zwangsweise umsteigen. OneNote 2016 würde einfach per Erklärung am Ende seines Lifecycles angekommen sein – genau wie alte Office- oder Windows-Versionen. Das halte ich für äußerst plausibel.

Wann das soweit sein wird? Das vermag ich beim besten Willen nicht einmal zu erraten. Im Gegensatz zu (bisherigen Versionen von) Office und Windows gibt es kein offizielles Datum für das Support-Ende. Und OneNote 2016 wird nicht mehr als separates Produkt, sondern ausschließlich als Bestandteil von Office 2016 / Office 365 verkauft. Gäbe es ein Support-Ende für Office 2016, gälte das also auch für OneNote 2016. Ich vermute stark, dass auch Microsoft selbst an genau dieser Frage knabbert.

Es ist also durchaus möglich, dass uns OneNote 2016 in der jetzigen Form noch eine ganze Weile erhalten bleiben wird. Nur verbessern und sein Leben damit auch noch künstlich verlängern wird Microsoft es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr. Das gesamte Gebaren des OneNote-Teams macht eines deutlich: Für Microsoft sind Office 365 mit der OneNote-Windows-10-App (bzw, iOS, Mac, Android) Gegenwart und Zukunft; OneNote 2016 ist Vergangenheit.

Ich möchte noch einmal betonen: Alles in diesem Beitrag beruht auf einer persönlichen Spekulation, nichts weiter. Als OneNote-MVP habe ich ein so genanntes NDA unterschrieben. Das steht für Non Disclosure Agreement und ist eine Art Schweigegelübde. Es verpflichtet mich, Informationen, die ich im Rahmen meines MVP-Daseins – etwa durch die monatlichen Infogespräche mit den OneNote-Entwicklern – erhalte, nicht weiterzugeben oder zu veröffentlichen. Jedenfalls so lange nicht, bis Microsoft sie offiziell macht. Daran halte ich mich selbstverständlich. Das NDA verbietet mir aber nicht, mir öffentlich Gedanken zu Informationen zu machen, die ich nicht erhalte. Wenn ich also auf die Frage an Microsoft, ob ein Ende von OneNote 2016 geplant ist, beharrlich überhaupt keine wirkliche Antwort bekomme, ist das eine Nicht-Information. Eine, auf die ich mir erlaube, eine Spekulation aufzubauen. So eine, wie die in diesem Beitrag.

 

21 Kommentare

  1. Das wäre sehr!!!! schade, wenn das passieren würde!!!

  2. Die Todgeburt „Publisher“ wird doch auch seit Jahren mitgezogen. Von daher denke ich nicht, dass MS ON den Dolchstoß gebt. Zumal man im Education-Bereich das Programm verwurzeln möchte.

    • Stefan Wischner

      Das ist zwar richtig. Allerdings gibt es von Microsoft meines Wissens keine Anstrengungen, Geld und Ressourcen in eine alternative UWP-App von Publisher zu investieren und damit der alten Anwendung mit einer vermeintlich moderneren Konkurrenz zu machen. Ganz im Gegensatz zu OneNote.

  3. Hoffentlich liegst du falsch.

    Wird OneNote nicht auch im geschäftlichen Bereich genutzt? Die Desktop-Variante versauern zu lassen wäre nicht klug, allein schon mit Blick auf diese Klientel.

    Für ernsthafte Nutzung von OneNote m.E. elementare Funktionalität wie das Umsortieren von Seiten und Unterseiten in einem Kapitel, PDF-Ausdruck, Grafiken auf einer Seite verschieben, mehrere Dateien auf einer OneNote-Seite platzieren, konsequente Stift-/Farben-Freiheit… – all das geht in den Apps nicht gut oder gar nicht, weswegen ich auf meinem Surface auch nicht auf die 2016er-Variante verzichten kann obwohl die W10-App wegen des geringeren Ressourcenhungers so viel praktischer wäre…

    Dass die sich auseinander entwickelnden Fassungen bisher nicht größere Probleme z.B. beim Sync schaffen, grenzt m.E. schon an ein kleines Wunder… sichtbar werden die immensen Probleme z.B. bei der Edge-Integration mit dem OneNote-Markup und dem Zwang der doppelten Speicherung von Notebooks beim parallelen Gebrauch der W10-App und der 2016er-Version…

    Dass Microsoft zur Zeit die W10-App pusht, hat wohl nicht zuletzt mit der neuen „RT“-Hardware zu tun (also die Geräte, auf denen nur noch Apps, aber keine Desktop-Programme laufen), womit vermutlich gegen Googles Chromebooks in die harte Schlacht um die Vorherrschaft in den Schulen gezogen werden soll – gerade die Mathe-Funktionen sind für die naturwissenschaftlichen Fächer sehr attraktiv.

    Es gab und gibt immer mal kleine Updates der 2016er-Version, zumindest z.B. die Effekt-Stifte der W10-App auch in der Desktop-Version abzubilden und auch das im Artikel genannte Embed (da geht ja noch viel mehr als nur Video). So lange die Funktionen der App(s) in der 2016er-Version sichtbar sind, will ich mich nicht bzw. nicht zu laut beschweren…-)

    By the way: schöner Blog – danke dafür!

    • Stefan Wischner

      Geschäftskunden bzw. geschäftliche Nutzung und Windows-10-OneNote-App stehen für Microsoft offenbar in keinem Widerspruch. Geschäftskunde heißt für MS derzeit in erster Linie Office 365, Sharepoint Online, jede Menge Web-basierter Services…. Da passt die App genauso rein wie OneNote Online. Eine Anbindung an On-premise-Sharepoint ist auch nicht ausgeschlossen bzw. mit Ecken und Kanten ja schon möglich.
      Dass im professionellen Bereich bestimmte (und vermutlich individuell immer andere) Features wichtig sind, wirft nur die Frage auf, inwieweit diese Features sich nicht auch in künftigen Versionen der UWP-App realisieren lassen. Was bleibt ist, dass in Augen vieler (auch meiner) schon aus Gewohnheit eine Windows-10-App wie Spielzeug aussieht und eine konventionelle Windows-App wie Profisoftware. Hier ist OneNote aber vielleicht nur etwas früher dran als andere? Oder es ist ein Irrweg; trau ich persönlich mir kein Urteil zu.

      Was meinst Du mit doppelter Speicherung bei Nutzung der WIN-10-App und von OneNote 2016? Dass beide jeweils einen eigenen Cache nutzen? Ja, das ist wirklich ungeschickt, aber wohl den sehr unterschiedlichen Architekturen geschuldet. Wieder ein Argument, OneNote 2016 loszuwerden — kein doppelter Cache mehr, richtig? 🙂

  4. Lieber Stefan,

    ich teile leider Deine Einschätzung vollständig. Deshalb bin ich auch bei Onenote 2010 geblieben.
    Was ich noch erwähnen möchte, ist der katastrophale Zustand der Synchronisations-SW bzgl. Onedrive.
    MS hat ja auf Reddit eingeräumt, dass sie die neu schreiben müssen. Bis dahin bleibe ich bei meinen lokalen Notizbüchern. Diese neue SW könnte dann auch den Todesstoss für Onenote 2016 bringen.

    Bernd

  5. „has been“ bedutet ganz genau nicht „vorbei“. In der Present Perfect Tense steckt „Present“ und bedeutet „noch immer“. OneNote und OneNote classroom ist zur Zeit eher im Auf- und Umbruch 🙂

    • Stefan Wischner

      Ja, wenn ich es richtig verstehe, könnte man sich zum „has been“ ein „and still is“ dazudenken; auch so würde der Ausdruck im englischen Sprachgebrauch natürlich Sinn machen. Aber ich meine es im Kontext anders verstanden zu haben. Und diese Bemerkung vom Produktmanager ist ja auch bei weitem nicht das wichtigste Indiz in dieser Kette.
      Und ja, auf OneNote class verwendet Microsoft derzeit tatsächlich ordentlich Energie und Ressourcen; es wurde meines Wissens dafür sogar ein neues Office in Vancouver eingerichtet. Aber wie gesagt, genau genommen lässt sich das alles auch ohne das Desktop-OneNote realisieren, wenn man die UWP-App noch ein wenig „pimpt“.

  6. hallo ON-user und hallo Stefan, wäre echter Sinkflug eine nun etablierte Notiz-Software, zumal harmonisch mit MS-Geräten (Surfaces) versorgt, so sausen zu lassen. Meine Kalender-, Tages- und auch Reisenotizen laufen perfekt in ON-Notizbüchern und-Seiten. 10er und 16er Version verwende ich beide, 3 Geräte und MS-Handy greifen auf (zahlreiche) Notizbücher zu, tlw. auch nur im Heim-WLAN untereinander synchronisiert. Die Screen-Shot-Funktion ist meine elegante BS-Copy-Funktion in (fast) allen Anwendungen. Also ich wäre mit der gefühlten Vision von Stefan sehr traurig und auch letztlich enttäuscht von MS.
    Manchmal gabs schon Probleme mit sehr lange nicht synchronisierten Versionen, meistens bei mir nach längeren Reisen, wo ich nur lokal „notizte“, aber diese kleinen Nachteile würde ich gern verschmerzen, wenn uns ON weiter zukunftssicher erhalten bliebe. MS sollte die vielen positiv besetzten Nutzer auch weiterhin als Potential ihrer künftigen Kunden sehen, die auf bisher solide und leistungsfähige Software gebaut haben und diese auch (mit leistungsfähiger und natürlich auch teurerer Gerätetechnik) benutzen und mittlerweile nicht mehr missen möchte. Im Niveau der online-App-Version sehe ich keine, auch nicht dem Argument „ressourcenminimal“ geschuldete Alternative. Also ON-Gemeinde, wir sollten an MS noch deutlicher unsere -auf bisher sehr guten Erfahrungen basierten Nutzungs-weiter-wünsche zu OnNote leiten, vielleicht auch hier im Blog;
    auch von meiner Seite: Anerkennung für den guten blog; g

    • @ Gunter:
      Ja, so sehe ich das auch! Zumal ich mir das Office Paket ja eigentlich nur noch wegen onenote kaufe. Texte und Tabellen könnte ich auch prima in den kostenlosen Versionen machen. Nur bietet eben LibreOffice und Co leider kein onenote an!
      Wenn MS das eines Tages weglassen sollte werden sicher viele Nutzer auf die frei erhältlichen Versionen ausweichen.

      vg Axel

    • Stefan Wischner

      Nur, um das nochmal ganz deutlich zu sagen: Ich glaube nicht, dass OneNote selbst verschwinden wird. Wenn es denn mal auf der Kippe stand, dürfte es die Krise mit der MS-Übernahme von CEO Satya Nadella überstanden haben (ist selber angeblich OneNote-Fan).

      Nur die Windows-Desktop-Version, also OneNote 2016, vom OneNote-Team auch ein bisschen abfällig „OneNote Win32“ genannt, dürfte eine unsichere Zukunft haben.

      In der Windows-10-App sind dieses Jahr noch eine Menge an Funktionserweiterungen zu erwarten. Sicher wird es nicht ganz den Funktionsumfang von OneNote 2010-2016 erreichen, aber wenn die Kernfunktionen blieben, wäre es immer noch die beste Notizsoftware auf dem Markt. Evernote fand ich auch immer Klasse, aber die haben sich mittlerweile ziemlich vergallopiert, finde ich. Funktionell und produktpolitisch.

      Bei mir ist OneNote übrigens nicht nur der Grund, bei Office zu bleiben (ist eigentlich keiner, weil die Standalone-Free-Version von OneNote 2016 fast genauso gut ist; auf lokale Notizbücher verzichte ich ohnehin weitgehend). Es ist für mich vielmehr ein Grund, bei Windows zu bleiben. Ansonsten könnte mich Linux evtl schon verführen.

  7. Ich persönlich kann der neue OneNote App nichts abgewinnen. Auch als Endnutzer bin ich Fan professioneller Software, weil sie mir eben viele Möglichkeiten bietet. Diese neuen Windows UWP-Apps sind ganz witzig um mal schnell Notizen zu machen und ein bisschen rumzukrickeln, mit professioneller Software hat das allerdings nichts zu tun. Das Stiftauswahl-Feld, wo man sich seine eigenen Stife definieren und die meistgenutzen davon ablegen konnte, fehlt einfach komplett. Nirgendwo wird einem das aktuelle Zoom-Level angezeigt und so nah ranzoomen wie in der Desktop-Version kann ich auch nicht. So kann man doch nicht produktiv arbeiten. Da komme ich mir als anspruchsvoller Nutzer schon ein wenig für dumm verkauft vor. Auch die Grafik-Engine wurde scheinbar neu entwickelt. Kantige Zeichenkonturen werden verrundet, es wirkt permanent so, wie als würde der Stift die letzten paar Millimeter des geschriebenen wie eine Schnur hinter sich herziehen. Das ist einfach schlecht umgesetzt. Ich nutze OneNote für mein Studium und ersetze damit das komplette Papier auf meinem Surface 4 Pro. Niemals wird die OneNote-App den Funktionsumfang einer vollwertigen, professionellen Desktop-Applikation bieten. Dafür sind Apps auch einfach nicht gedacht.

    Man könnte ja nun sagen „dann nimm eben die Desktop-Applikation!“, aber diese beinhaltet auch heute noch jede Menge Bugs, die im täglichen Gebrauch echt nerven und die daher dringend mal gefixt werden müssen. Dabei scheint OneNote 2016 an manchen Stellen sogar noch mehr buggy zu sein als OnteNote 2013. Was mich am meisten daran fuchst ist, dass es keine gleichwertige Alternative zu OneNote gibt. Ich hoffe, da kommt noch mal was, ansonsten werde ich irgendwann wieder den technischen Rückschritt zu Papier machen müssen.

  8. Interesting thought, which I share completely.
    I am amazed by all the improvement made on the App version, but I can’t figure out how it could match the desktop version one day.
    Anyone who want to be productive need integration with Office (Excel, Outlook…), linked notes (or multi-windows), add-ins… which the UWP App lacks.

    • Stefan Wischner

      I am quite certain Microsoft is aiming for making OneNote as interesting as possible by adding features. But I also doubt that there will be a complete feature parity between the UWP app and the Win32 versions in the future. There may be technical issues (e.g. the COM-AddIn Concept as used by Outlook does not work for UWP apps) preventing some features and political ones as well. But I am very curious what they will add to the app (well, I may know a few upcoming features but if I tell you I would have to kill you :))

  9. Hallo,

    ich bin gerade am umziehen von evernote nach onenote 2016 und lese mit erschrecken diesen Artikel.

    Habe mir die OneNote App mal angesehen, ist leider überhaupt nicht vergleichbar mit onenote 2016.
    Dort kann man nicht einmal vernünftig Kategorien zuordnen.

    Bin jetzt leider total ratlos

    Gruß
    heinz

    • Stefan Wischner

      Ganz unabhängig von der Kernaussage dieses Artikels:

      Wer von Evernote zu OneNote umsteigen will, muss sich darauf gefasst machen, seine Organisation umzustellen. Die Strukturen 1:1 von Evernote zu übernehmen, geht nicht. Kategorien sind das beste Beispiel… nicht das Zuordnen von Kategorien ist in OneNote das Problem (oder genauer: einfach anders), die Auswertung ist es. Bei OneNote sind Kategorien eher Markierungen, nicht aber z.B. Such- oder Filterkriterium. Es gibt lediglich (und das auch nur im Windows-Desktop-OneNote) eine gruppierte Übersicht aller vergebenen Kategorien und zugehöriger Seiten, nicht aber etwa eine nach Kategorien gefilterte Seitenliste, wie das in Evernote geht. Die Organisation läuft bei OneNote viel mehr über das Einsortieren in Abschnitte und Abschnittsgruppen. Während eine Seite in Evernote mehrere Kategorien haben kann, müsste man sie in OneNote also in mehrere Abschnitte kopieren, was so nicht sinnvoll ist.
      Also wenn Ihre bisherige Organisation stark von den Kategorien/Tags in Evernote abhängt, würde ich mir den Umstieg nochmals überlegen.

      • Hallo Stefan ,

        vielen Dank für die Rückmeldung.
        Auf den Umstieg wollte ich eigentlich nur wegen der Preispolitik machen.

        Dann wird es aber wahrscheinlich schon so sein, dass man bei diesen Webanwendungen Tolls wie:
        – OneNote Tagging Kit
        – Onetastic macros

        nicht mehr verwenden kann.

        Gruß
        heinz

  10. ON am Ende des Zyklus?
    Dann muss ich nun viele wirtschaftlich Erfolgreiche Projekte mit One Note umsetzen um dann MS zu erwerben um die Weiterentwicklung zu sichern. Think with ON. 🙂

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