23. Oktober 2017

OneNote für das iPad 15.20: Starke neue Funktionen

Und wieder ein Update für die iPad-App, diesmal mit ein paar echten Sensations-Features: Videos einbinden und abspielen, Inhalte per Lasso selektieren und – noch was viel Besseres!

Zurzeit sind Apple-Nutzer in Sachen OneNote ganz klar die Begünstigten. Während sich um das Windows-Desktop-OneNote fast gar nichts tut, die Android-App von einem externen Team fast täglich verschlimmbessert (siehe Beta-Gruppe auf Google+) und die Windows-Phone-App komplett vernachlässigt wird, hagelt es fast wöchentlich Updates für OneNote auf Mac und iOS. Meist bringen die nur ein oder zwei neue Features der „ja, ganz nett“-Klasse. Diesmal hat es das OneNote-Team bei der iPad-App (leider nicht iPhone) aber mal richtig krachen lassen. Hier die neuen Funktionen der iPad-App-Version 15.20 (die meisten setzen laut Microsoft allerdings ein iPad ab dem ersten Air-/Mini-Modell voraus):

 

Objekte frei verschieben

Fangen wir mit dem Kracher an: Ab sofort lassen sich Notizcontainer (die Rahmen, die z.B. Texte enthalten) auch auf dem iPad nachträglich verschieben und in der Größe ändern. Vorbei der umständliche Umweg über den Webbrowser und OneNote Online. Das geht ganz intuitiv: Einfach den entsprechenden Rahmen markieren und am oberen Balken antippen, den Finger auf dem Display lassen und an die neue Position verschieben. Das kann zugegebenermaßen etwas fummelig sein und vielleicht auch mehrere Versuche erfordern. Das liegt aber an der Natur von Touchscreen-UIs. Oft kann es hilfreich sein, zuerst den Zoomfaktor zu verkleinern. Vor allem dann, wenn einem beim Markieren eines Textrahmens immer wieder die Bildschirmtastatur in den Weg springt.

 

Komplette Notizcontainer (also z.B. Textrahmen) lassen sich übrigens nur verschieben, nicht aber in der Größe verändern. Das geht beim „großen“ Windows-OneNote übrigens auch nur in der Breite. Die Höhe wird nur durch den Inhalt bestimmt.

Bilder und Videos (zu denen gleich mehr) können Sie hingegen auch vergrößern und verkleinern. Sie erhalten beim Markieren durch längeres Antippen vier runde „Anfasser“ an den Ecken, mit denen Sie die Ausmaße wie gewohnt verändern können.

 

Bilder drehen

Speziell bei Bildern (und das gilt somit auch für PDF- oder sonstige Ausdrucke) gibt es noch eine neue Funktion: Sie lassen sich in 90-Grad-Schritten nach links oder rechts rotieren. Das klappt auch mit Stiftzeichnungen oder Handschriftnotizen. Einfach durch Antippen oder per Lasso (auch dazu gleich mehr) auswählen und nochmal kurz antippen, um das Kontextmenü zu öffnen. Hier ist ein neuer Befehl hinzugekommen: Tippen Sie ganz rechts auf Drehen. Es öffnet sich ein neues Menü, das eine Links- oder Rechtsdrehung anbietet:

 

iOS-2-10_1

 

Das Beispielbild mit dem PDF oben zeigt auch schon ein Problem: Da auf PDFs angebrachte Markierungen eigenständige Objekte sind, werden die nicht mitgedreht und stehen nun ziemlich sinnfrei in der Gegend rum. Es bräuchte eine Möglichkeit, mehrere Bilder oder Objekte auf einmal zu markieren. Gibt’s nicht? Doch, jetzt schon:

 

Markieren per Lasso

Gerade bei Handschriftnotizen und Strichzeichnungen war das Markieren oder Selektieren bisher eine Qual und erforderte meist mehrfaches wildes Antippen, bis es klappte. Mehrere Objekte auf einmal ließen sich so überhaupt nicht markieren. Ab sofort bietet die iOS-App das vom Windows-OneNote gewohnte Lasso. Es findet sich im Zeichnen-Menü. Tippen Sie das zweite Symbol von links an und „malen“ Sie um die zu selektierenden Objekte herum. Fertig.

iOS-2-10_4

 

Das sollte auch das Problem mit dem gleichzeitigen Drehen von PDFs und darauf angebrachten Markierungen lösen. Leider hat OneNote hier ein Skalierungs- und Positionierungsproblem, dass sogar schon bei den „großen“ Windows-Desktop-Versionen teilweise auftritt. Ein manuelles Zurechtzupfen von einzelnen Objekten oder Beschriftungen ist oft nötig. Vielleicht ändert sich das noch, wenn (falls) die iPad-App eine Option zum Gruppieren von Objekten bekommt, wie die gerade die Universal App für Windows 10 erhalten hat.

Videos einbinden

Weiter oben habe ich Videos erwähnt. Richtig, ab sofort lassen sich Clips von YouTube, Vimeo oder Vine sicht- und abspielbar in Notizen einbinden. Dazu gibt es allerdings einige Voraussetzungen und Einschränkungen:

 

  • Die Videos werden nicht etwa heruntergeladen und als Datei eingebunden, sondern landen als „live content“ via iFrame in der Notiz. Daher braucht’s zum Abspielen eine aktive Internet-Verbindung. Auch lassen sich keine vorhandenen Video-Dateien (etwa als MP4) einbinden, sondern wirklich nur Clips von den Internet-Portalen. Ein Teil des Videos wird aber offenbar gepuffert; nach dem Abschalten des WLAN-Empfangs ließ sich ein gewisser Abschnitt noch wiedergeben, bevor es zum Standbild kam.
  • Das Einbinden selbst erfolgt über die Share-Funktion von iOS. Die gibt es weder im Chrome-Browser noch z.B. in der YouTube-App. Derzeit scheint es nur über Safari zu klappen; dort aber sehr einfach (gleich mehr dazu).
  • Die eingebundenen Videos lassen sich natürlich dann auch auf anderen OneNote-Versionen ansehen, aber nur auf denen, die Online-Videos schon unterstützen. Im Moment sind das neben der iPad-App noch die Universal App von Windows 10, OneNote 2016 für Windows (Office oder kostenlos) und – auch ganz neu – OneNote für den Mac.

 

Apropos andere OneNote-Versionen und Video: Auch z.B. in OneNote 2016 für Windows vorher schon eingebundene Videos lassen sich mit der neuen iPad-App abspielen. Warum das eine besondere Erwähnung verdient? Nehmen Sie mal mit dem Windows-OneNote eine Audionotiz auf und versuchen die dann auf einem iPad oder Mac abzuspielen!

Nur bevor jemand fragt: Nein, im Gegensatz zur „alten“ Video-Funktion von OneNote für Windows (Videos direkt mit OneNote aufzeichnen) werden die Audiospuren nicht indexiert und lassen sich somit auch nicht nach Textstellen durchsuchen. Auch gibt es keine Verlinkung mit Notizen, die während dem Abspielen gemacht werden. Das sind Funktionen die nach wie vor den Desktop-Versionen vom Windows-OneNote vorbehalten bleiben.

Und so geht das mit den Videos:

 

In Safari auf YouTube.com oder einem anderen unterstützten Videoportal die Seite mit dem gewünschten Video öffnen (nicht die YouTube-App verwenden!)

iOS-2-10_5

 

Rechts oben auf das Teilen-Symbol tippen und OneNote als Ziel auswählen. Im folgenden Fenster ggf. Zielnotizbuch und –abschnitt wählen (es wird darin immer eine neue Seite erzeugt) und auf Wunsch noch eine Notiz hinzufügen. Hier wird auch ein Vorschau des Videos angezeigt. Auf Senden klicken, fertig.

 

iOS-2-10_6

 

 

In OneNote erscheint das Video im gewählten Abschnitt mit dem entsprechenden Vorschaubild genauso wie eine Grafik (siehe Bild ganz oben), jedoch mit einem weißen Play-Symbol (Dreieck) in der Mitte. Einfach antippen, um die Wiedergabe direkt in der Notizseite zu starten. Das Video lässt sich genau wie ein Bild verschieben oder in der Größe verändern – sogar während des Abspielens. Auch werden kurz die bekannten Bedienelemente eingeblendet, um etwa in die Vollbilddarstellung umzuschalten oder zu einer bestimmten Stelle zu „spulen“. Unterhalb des Videorahmens ist automatisch ein Link zum Original-Clip, etwa auf YouTube, angehängt worden. Funktioniert klasse, naja fast: Ab und zu kam es im Test vor, dass die Pause-Taste sehr spät oder gelegentlich überhaupt nicht reagierte (vielleicht lag’s an meinem betagten iPad Air 1 mit ziemlich vollem Speicher?). Tipp: Wenn das passiert, zum Stoppen des Videos einfach kurz den Notizabschnitt oder die Seite wechseln.

 

Das große „Aber“

Kein OneNote-Update ohne Gemassel vom Wischner. Na gut, was hat der Autor denn diesmal zu meckern? Ganz ehrlich: Gar nichts. Das Verschieben von Bildern und Notizcontainern auf dem iPad war überfällig (was nie heißt, dass die Entwickler es auch bringen) und fühlt sich genau so an, wie es auf einem Tablet zu erwarten ist. Probleme konnte ich zumindest bislang nicht entdecken. Das Einbinden von Videos ist sauberer und einfacher als bei OneNote 2016 unter Windows, das Lasso-Auswahltool extrem hilfreich (vor allem in Verbindung mit dem Verschieben oder Drehen).

Na gut, einen hab ich doch: Die völlig asynchrone Entwicklung der einzelnen OneNote-Versionen geht mir inzwischen ziemlich auf die Nerven. Android-Nutzer warten immer noch auf eine halbwegs absturzfreie App und würden sich schon über eine Undo-Funktion freuen. Die Universal App für Windows 10 bringt gerade eine andere lang ersehnte Funktion, das Gruppieren von Objekten. Die ist allen anderen Ausgaben aber noch vorenthalten. Mac-Anwender dürfen sich nun zwar auch über Videos freuen, vermissen aber (noch….psssst!) jegliche Handschrift- oder Zeichenfunktion. Und mit Windows Phone fange ich gar nicht erst an.

Es wirkt ganz so, als gäbe es keinen übergeordneten Produkt-Manager für OneNote sondern lauter komplett unabhängig voneinander agierende Gruppen. Eine Strategie oder wenigstens irgendeine Gesetzmäßigkeit, wann welche Plattform welches Feature erhält (oder weggenommen bekommt, siehe Scanner-Unterstützung beim Office-OneNote), kann ich beim besten Willen zumindest von außen nicht erkennen. So, jetzt habe ich doch gemasselt J

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.