23. Oktober 2017

Von Evernote zu OneNote konvertieren – und andersherum

Während sich der Import von OneNote-Notizen in Evernote recht komfortabel gestaltet, ist der umgekehrte Weg nicht vorgesehen. Neben recht umständlich anmutenden Methoden via HTML-Ex- und Import oder E-Mail verspricht ein ambitioniertes Freeware-Tool Abhilfe.

Update: Inzwischen hat Microsoft selbst einen brauchbaren Evernote-zu-OneNote-Converter veröffentlicht. Der setzt allerdings voraus, das das OneNote-Zielnotizbuch in der Cloud gespeichert ist.

Es gibt gute Gründe für den Wunsch, Notizen von Evernote nach OneNote oder auch umgekehrt zu übertragen. Sei es der Umstieg von einem zum anderen Programm oder der parallele Einsatz von OneNote und Evernote – etwa im privaten und beruflichen Umfeld. Während die Evernote-Macher eine sehr einfach zu handhabende Import-Funktion zumindest in den Windows-Client eingebaut haben, lässt Microsoft die Evernote-Nutzer (oder -Abtrünnigen) diesbezüglich leider komplett im Regen stehen. Dabei ist technisch gesehen der Weg von OneNote zu Evernote sogar schwieriger. Einer der Hauptgründe liegt in den unterschiedlichen Formaten (im Sinne von Formfaktor) der Notizen: OneNote erlaubt das völlig freie Platzieren von Inhalten auf der Seite und beliebige Mischungen von Objekten (Text, Grafik, Handschrift, Dateien, Audio…), die sich sogar überlappen dürfen. In Evernote dagegen folgt das Notizformat eher einem klassischen Textdokument – also absatz- und zeilenorientiert, alles untereinander. Ärger bei der Konvertierung ist also programmiert.

Von OneNote zu Evernote

Voraussetzung für die Übertragung von OneNote-Notizen in Evernote ist, dass beide Windows-Clients installiert sind, auch dann, wenn die betroffenen Notizbücher nicht lokal, sondern auf OneDrive lagern. Im Falle von OneNote reicht allerdings die kostenlose Ausgabe von OneNote 2013. Zudem muss das betreffende Notizbuch in OneNote geöffnet sein. Das bedeutet nicht, dass OneNote 2013 laufen muss; bei der letzten Nutzung muss das zu importierende Notizbuch allerdings geöffnet gewesen sein. Der Import selbst ist dann ganz einfach:

  1. Im Evernote-Client auf „Datei“ – „Importieren“ – „Microsoft OneNote“ klicken.
  2. In der folgenden Auswahldialogbox aus der oberen Ausklappliste das betreffende Notizbuch wählen (hier finden sich nur die in OneNote aktuell geöffneten) und dann die gewünschten Abschnitte in der Liste darunter mit einem Häkchen markieren. Hier stehen übrigens auch gelöschte Inhalte (die Abschnitts-Notizbücher), falls vorhanden.
  3. Nach einem Klick auf „Ok“ startet die Umwandlung. Dabei wird in Evernote ein neues lokales (!) Notizbuch mit demselben Namen wie die Bezeichnung des originalen OneNote-Notizbuchs angelegt – auch wenn ein solches schon in Evernote vorhanden ist. In diesem Fall hängt der Importer an das neue einfach eine fortlaufende Nummer in Klammern an. Die ursprünglichen OneNote-Abschnittsbezeichnungen werden in der Evernote-Version zu Tags.
  4. Im Anschluss bietet Evernote noch in eine Dialogbox an, das zunächst nur auf der lokalen Festplatte angelegte Notizbuch in ein synchronisiertes zu verwandeln, also in die Cloud zu verschieben. Gerade, wenn Sie kein zahlender Premium-Nutzer von Evernote sind, sollten Sie dabei auf Ihr monatliches Upload-Kontingent achten.
Evernote bietet eine einfache OneNote-Import-Funktion an. Hier wählen Sie Notizbuch und zu übertragende Abschnitte aus.
Evernote bietet eine einfache OneNote-Import-Funktion an. Hier wählen Sie Notizbuch und zu übertragende Abschnitte aus.

 

Probleme beim Evernote-Import

Dem kontinuierliche Pflegen von Inhalten in OneNote und Evernote gleichzeitig liegt, wie aus der vorherigen Anleitung ersichtlich, eine Hürde im Weg: Der Evernote-Importer bestückt keine vorhandenen Notizbücher, sondern legt ggf. immer wieder neue mit gleichem Namen an. Sie kommen also um ein manuelles Verschieben neu importierter Notizen nicht herum.

Das zweite Problem betrifft den angesprochenen Formatunterschied. Beim Import von „klar strukturierten“ OneNote-Notizen bekommt man in Evernote meist eine ziemlich akkurate Entsprechung. Soll heißen: Wenn in OneNote mehrere Texte (in OneNote-Containern, also Objektrahmen) deutlich voneinander getrennt stehen, landen sie auch als Text in Evernote.

In OneNote kein Problem: Dicht zusammen stehende oder sich überlappende (unten) Objektrahmen.
In OneNote kein Problem: Dicht zusammen stehende oder sich überlappende (unten) Objektrahmen.

 

Je dichter zwei Textobjekte in OneNote dagegen zueinander positioniert sind, umso höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass in Evernote ein zusammenhängende Bitmapgrafik daraus wird. Die sieht zwar aus wie das OneNote-Original, verliert aber jede Editierbarkeit (suchen klappt dank Evernotes OCR trotzdem noch).

Nach dem Import in Evernote werden die aber unter Umständen zu nicht mehr editierbaren Grafikobjekten.
Nach dem Import in Evernote werden die aber unter Umständen zu nicht mehr editierbaren Grafikobjekten.

Einziger Ausweg wäre, vor der Konvertierung die betreffenden Objekte noch in OneNote weiter auseinander zu positionieren. Oft ist das nicht machbar, etwa bei Annotationen (grafische Markierungen innerhalb von Textrahmen).

 

Von Evernote zu OneNote

Dem umgekehrten Weg – Notizen von Evernote ins OneNote-Format bringen – sollte das Notizformat weniger Probleme bereiten. Schließlich ist OneNote hier deutlich flexibler und kann eine Everntoe-Notiz problemlos 1:1 abbilden. Wo es hier vielmehr hakt, ist die Organisationsstruktur: Evernote-Nutzer machen zumeist intensiv Gebrauch von der Kennzeichnung mit Tags (Schlagwörtern). Zwar kennt auch OneNote die Kennzeichnung mit Kategoriemarkern. Die kommen aber aus einem mehr oder weniger vorgegebenen Pool (anstatt frei zu verwendender Bezeichnungen) und beziehen sich auf Objekte oder Absätze, nicht auf komplette Notizen. Die Tag-Struktur wird also so oder so bei der Konvertierung verloren gehen – aber nicht vollständig, wie Sie gleich sehen werden.

Hier nochmals der Hinweis von oben: Inzwischen hat Microsoft selbst einen brauchbaren Evernote-zu-OneNote-Converter veröffentlicht. Der setzt allerdings voraus, das das OneNote-Zielnotizbuch in der Cloud gespeichert ist. Die folgenden Absätze sind also eigentlich überholt. Ich lasse sie der Vollständigkeit halber und als Alternativen trotzdem stehen.

Ever2One-Converter: Leider Geschichte

Einst gab es ein sehr pfiffiges Freeware-Tool für die Konvertierung von Evernote-Notizen zu OneNote. Der Ever2One-Konverter wurde vom Hersteller eines OneNote-Clones (MobileNoter) für Android, Blackberry und iOS kostenlos zur Verfügung gestellt und erledigte den Notizentransfer auf Windows-Rechnern völlig unabhängig und beeindruckend sauber. Leider wird MobileNoter verständlicherweise aufgrund der inzwischen erhältlichen mobilen OneNote-Apps nicht mehr weiterentwickelt, was auch für das Converter-Tool gilt. Und der auf der Webseite immer noch erhältliche Ever2One Converter 1.0 funktioniert nicht mit den aktuellen OneNote- und Evernote-Versionen – eine Weiterentwicklung dürfte ausgeschlossen sein, liegt doch der letzte Blogeintrag auf der Herstellerseite über ein Jahr zurück. Derzeit gibt es, neben recht umständlichen Wegen, wie zum Beispiel Evernote-Export in HTML, Öffnen im Internet Explorer, weiterschieben per OneNote-Add-In, zwei sinnvolle Möglichkeiten des Notiztransfers:

Übertragung per E-Mail

In Evernote lassen sich Notizen einzeln oder gebündelt problemlos per E-Mail versenden. Das können Sie für den Transfer zu OneNote nutzen, und zwar auf zwei unterschiedlichen Wegen: Wenn Sie Microsoft Outlook einsetzen: Schicken Sie in Evernote die betreffenden Notizen an Ihre ailadresse, die Sie mit Outlook verwalten. Von dort aus können Sie die Nachrichten per OneNote-Add-In („Start“-Menü, Abschnitt „Verschieben“, Schaltfläche „OneNote“) an OneNote weitersenden, wobei Sie nach Ziel-Notizbuch und –Abschnitt gefragt werden. Seit Microsoft die Mail-To-One-Note-Funktion eingeführt hat, gibt es noch eine elegantere Alternative, die zudem kein Outlook benötigt, allerdings nur mit einem Zielnotizbuch auf OneDrive funktioniert:

  1. Richten Sie sich ein Microsoft-Weiterleitungs-Konto oder einen Outlook.com-Alias nebst Weiterleitungs-Regel an me@onenote.com ein, wie im Blogbeitrag „Mail an OneNote – ein paar Tricks“ beschrieben. Das ist deswegen wichtig, weil die Mails von Evernote nur scheinbar von der zu Ihrem Evernote-Mail-Adresse gehörenden Absender-Konto kommen. Tatsächlich ist der Absender aber Evernote und würde beim Direktversand an me@evernote.com nicht berücksichtigt werden.
  2. Senden Sie einzelne oder mehrere gebündelte Notizen vom Evernote-Client an diese Microsoft-Adresse. Von dort aus gelangen Sie automatisch in den Abschnitt „Schnelle Notizen“ Ihres zugehörigen Haupt-Notizbuchs. Eine Auswahl eines anderen Ziel-Notizbuchs oder -Abschnitts ist bislang leider nicht möglich.

 

Wenn Sie eine Alias-Adresse in Ihrem Microsoft-Konto und eine Weiterleitung an me@OneNote.com eingerichtet haben, ist der E-Mail-Export aus Evernote eine gute Möglichkeit zur Konvertierung.
Wenn Sie eine Alias-Adresse in Ihrem Microsoft-Konto und eine Weiterleitung an me@OneNote.com eingerichtet haben, ist der E-Mail-Export aus Evernote eine gute Möglichkeit zur Konvertierung.

Neuer Freeware-Konverter Evernote -> OneNote 2013

Die nach dem Aus für den kostenlosen Ever2One-Converter (s.o.) entstandene Lücke versucht der Programmierer Stefan Küng mit einem ambitionierten OpenSource-Projekt zu schließen: Sein Tool Evernote2Onenote, nach eigener Aussage quasi ein Abfallprodukt seines Evernote -> GoogleMail-Converters, steckt noch in einem Frühstadium, leidet dementsprechend an einigen Kinderkrankheiten, macht aber einen sehr viel versprechenden Eindruck und lässt sich durchaus schon produktiv nutzen. Es handelt sich um ein eigenständiges Windows-Programm, das sich direkt starten lässt, also keinerlei Installation benötigt. Voraussetzung ist wie schon beim Ever2One-Converter, dass sowohl der Evernote-Client als auch OneNote 2013 (wahlweise Office- oder Free-Version) installiert sind. Die Nutzung ist simpel: Evernote2Onenote starten, aus der oberen Liste das zu importierende Evernote-Notizbuch (geht nur komplett) wählen, auf „Start Import“ klicken.

Das simple, noch etwas wackelige Freeware-Tool Evernote2OneNote ist der derzeit einfachste Weg zur Konvertierung.
Das simple, noch etwas wackelige Freeware-Tool Evernote2OneNote ist der derzeit einfachste Weg zur Konvertierung.

Im Test warf das Programm häufig Fehlermeldungen aus („Notizbuch leer oder nicht vorhanden…“; ausführlicher Debug-Code), übertrug die Notizen aber trotzdem immer. Dabei sind einige Besonderheiten zu beachten:

  • Unter OneNote 2013 (nur Office-Version!) wird ein neues lokales (!) Notizbuch eingerichtet, das die selbe Bezeichnung trägt wie das Evernote-Pendant. Sie können es natürlich später jederzeit auf OneDrive oder SharePoint verschieben.
  • Bei OneNote 2013 Free hingegen landen wegen dessen Einschränkungen alle Notizen im Bereich „Schnelle Notizen“ des Haupt-Notizbuchs auf OneDrive. Evernote Tags werden in OneNote-Abschnitte umgewandelt. Das bedeutet: Trägt eine Evernote-Notiz mehrere Tags, landet sie in entsprechend vielen Kopien in den erzeugten OneNote-Abschnitten. Nicht elegant, aber als Basis für eine manuelle Umsortierung oder Verschlagwortung durchaus brauchbar.

Evernote2OneNote können Sie in der jeweils aktuellen Version direkt hier downloaden:

http://sourceforge.net/projects/stefanstools/files/Evernote2Onenote/

 

 

4 Kommentare

  1. Ich möchte nur den Hinweis geben, das ein Import von Onenote zu Evernote evtl. die ganze Datenbank zerschiessen kann. Bei mir hatte eine Notiz sehr viele Bilder ca. 20 Stück, somit war die Dateigröße recht groß. Ein Import hatte scheinbar funktioniert. Nur hatte sich irgendwann die Desktopsoftware mit einem Fehler verabschiedet. Der Support konnte nicht weiterhelfen, obwohl alles analysiert wurde. Durch Zufall habe ich die Notiz gelöscht und konnte somit wieder syncroniseren. Das war ein Drama!

    • Stefan Wischner

      Hallo,

      Gut, dass Sie es durch Löschen der Notiz wieder hinbekommen haben. Dass danach die Synchronisierung in Evernote gleich wieder ging, lässt vermuten, dass der Datenbank nichts passiert war. Evernote konnte wohl nur mit dem einen Datensatz nicht umgehen. Es gibt in Evernote eine Größenbegrenzung für einzelne Notizen (derzeit 25 MByte gratis, 100 MByte Premium-Konto); möglicherweise hat die Notiz mit den vielen Bildern diese Grenze gesprengt. Dass sie per Import-Funktion und nicht per Editor in die Datenbank gelangt ist, hat eventuell einen „Kontrollmechanismus“ umgangen – alles nur wild geraten.

      • Diese Größenbegrenzung hat mich (u.a.) dazu gebracht mich näher mit OneNote zu beschäftigen. Ein tolles Programm mit einem für mich gravierendem Haken: Wir haben in unserer Schule einen http Proxy. Evernote stört das nicht, OneNote (und auch Office365) gehen da leider nicht. Das gilt natürlich nur für meine speziellen Belange, ist aber ein schlechtes Zeichen.

  2. Also ich mache es so:
    In Evernote die Notiz öffnen, oben links auf „Freigeben“ klicken, dann auf OneNote, fertig!
    VIelleicht eine neue Variante, aber gut.

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