OneNote-App überträgt lokale Notizbücher in die Cloud

Im März-Update erhält die OneNote-Windows-10-App eine Option, lokale Notizbuchdateien auf OneDrive zu übertragen. Warum das für manche eine schlechte Nachricht ist.

Was zunächst nur wie ein weiteres, nettes Feature für die OneNote-App von Windows 10 klingt, könnte auf den zweiten Blick ernste Konsequenzen haben:
Laut einer Ankündigung von Microsoft bringt das März-Update unter anderem die Möglichkeit, lokale Notizbücher in die Cloud zu verschieben. Das bedeutet nicht etwa, dass sich Notizbuchordner mit ONE-Dateien künftig mit der App laden und bearbeiten lassen wie in OneNote 2016 aus MS Office. Es geht nur darum, sie in der richtigen Form auf OneDrive oder OneDrive for Business zu übertragen und sie dann von dort aus zu nutzen. Also ein reiner File-Converter.
Da die neue Version noch nicht auf meinen Rechnern angekommen ist (im Moment nur Windows Insidern vorbehalten, vermutlich in den USA zuerst), konnte ich den Konverter nicht selbst ausprobieren. Das ist aber auch gar nicht nötig. Der Vorgang ist simpel und in ein paar Screenshots von Microsoft gut beschrieben:

Die Notizbuchauswahl der Windows 10 App zeigt nun auch lokale Notizbücher („On this computer“)… (Bild: Microsoft.com)

 

…öffnet diese aber nicht etwa, sondern erlaubt nur deren Transfer auf OneDrive. (Bild: Microsoft.com)

 

Warum macht Microsoft das? Wer lokale Notizbücher nutzt, hat doch automatisch auch OneNote 2016 (oder einen Vorgänger) aus dem Office-Paket und kann diese Konvertierung bei Bedarf über Datei – Freigeben schon immer durchführen (das simple Kopieren der Files in den OneDrive-Ordner klappt bekanntlich nicht). Ich denke, es kann nur einen plausiblen Grund geben:
In einem früheren Artikel hier auf dem Blog habe ich die These aufgestellt, dass Microsoft mittelfristig das Desktop-OneNote (also z.B. OneNote 2016) komplett aufgeben und durch die Windows 10 App ersetzen will. Hinzu kommt die Verunsicherung, die durch die erste offizielle Ankündigung von Office 2019 entstanden ist. Dort werden die enthaltenen Module wie Excel, Word oder PowerPoint aufgelistet, OneNote aber fehlt.

Microsoft macht ernst

Die Frage, die für mich bislang offenblieb, ist folgende: Wenn Microsoft tatsächlich das Windows-Desktop-OneNote komplett versenkt, was wird aus all den (vor allem Business-) Nutzern, die Notizbücher lokal oder auf einem Netzlaufwerk gespeichert haben? Man kann ihnen den Zugriff unmöglich von heute auf morgen (etwa nach einem Office-Update) einfach verwehren, ohne einen mittelschweren Aufstand zu riskieren. Ich glaube, Microsoft gibt mit dieser neuen Transfer-Funktion in der App genau die Antwort, die ich erwartet hatte: Ihr könnt Eure Notizbücher ja einfach in OneDrive oder OneDrive for Business übertragen und seid nicht ausgesperrt.
Dass die Cloudspeicher in den USA aus sicherheitspolitischen Gründen für viele Unternehmen keine Option sind, dürfte Microsoft schon klar sein, aber nur für ein Schulterzucken sorgen. Kollateralschaden. Cloud first, mobile first. Mit etwas Glück kommt noch eine Erweiterung für einen Transfer der Notizen auf unternehmenseigene („On Premise„) Sharepoint-Server hinzu, ich habe da aber meine Zweifel.
Noch hat Microsoft sich nicht offiziell zur Zukunft von OneNote 2016 oder einem möglichen OneNote 2019 geäußert. Noch handelt es sich hier nur um eine weitere Spekulation von mir. Aber deutlicher könnten die Zeichen gar nicht mehr werden.

2 Kommentare

  1. Und genau das ist der Grund, warum ich mit den Augen rolle, wenn jemand OneNote als Tool für alles (von Rechnungen, über halbwegs wichtige Dokumente bis zur Versicherungsurkunde) darstellt. Es ist halt ein proprietäres Werkzeug, in welches bei gesundem Menschenverstand nunmal nur Einkaufszettel und Co. gehören.
    Alles mit „langfristigem Wert“ hat dort nichts zu suchen.

  2. und ich habe seit Wochen ein Notizbuch, das sich nur noch mit OneNote Online öffnen lässt. OneNote 2016 wie auch die Win 10 App verweigert das Anzeigen.
    Das ist für mich ein weiterer Grund, warum ich nicht ganz so ein grosser Fan von OneDrive bin.

    Schade, Microsoft hätte hier ein absolut geniales Tool am Start, für welches ich gerne ähnlich wie bei Evernote bezahlen würde. Aber seit 10 Jahren dünkt mich die Weiterentwicklung nicht viel mehr als ein Gebastel.

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